Studentenprotest

(c) Zohreh Soleimani

Vielleicht waren die Nachrufe auf die iranische Studentenbewegung, zu denen auch ich beigetragen habe, doch zu früh.

Vor 53 Jahren, nach dem persischen Kalender am 16. Asar 1332, kamen drei Studenten bei Demonstrationen gegen den damaligen amerikanischen Vize-Präsidenten Richard Nixon um ihr Leben. Seither wird dieser Tag jedes Jahr im Andenken als „Tag der Studenten“ begangen.

Nach dem Aufkommen der reformorientierten Studentenbewegung Ende der 90er Jahre gewann der Tag wieder besondere Bedeutung. War es zuvor eine Gedenken an den Protest gegen das Schah Regime, wurde daraus nun ein Protest gegen das gegenwärtige Regime.

Die Krise der Reformbewegung blieb auch für die Studenten nicht ohne Auswirkungen. Viele sahen sich von den nicht eingelösten Versprechungen der Chatami Regierung enttäuscht, manche kehrten der Politik ganz den Rücken. Die Zahl der Demonstranten wurde immer kleiner.

Nun sind sie wieder da.

Gestern fand an der Zechnischen Fachschule (Sahan) in Tabriz eine Demonstration statt. Heute demonstrierten Studenten an der Teheran Universität.

Die Kundgebung sollte um 11 Uhr beginnen. Die Polizei hatte das Gelände abgesperrt. Dennoch gelang es einer größeren Gruppe, das Haupttor aufzubrechen und in die Universität zu gelangen. Am Ende dürften es mehr als 1.000 Demonstranten gewesen sein.

Die Teilnahme an solchen Aktionen ist mit hohen persönlichen Risiken verbunden. Die Sicherheit versucht jedermann zu filmen und zu fotografieren. Wer identifiziert werden kann, muss damit rechnen, später verhaftet zu werden.

Journalisten waren – wie bei solchen Protestveranstaltungen üblich – ausgesperrt. Ausländische Journalisten erst recht.

Selbstverständlich respektiere ich das Copyright, aber in diesem Fall, denke ich, ist es legitim, eine Reihe von Fotos dieser Demonstration zu veröffentlichen. Sie stammen von zwei oppositionellen Webseiten, Gooya und einem Studentenblog. Dort sind noch mehr Fotos zu finden.

Aufschrift: „Was wollen wir schon – außer Freiheit?“

Linke Aufschrift: “Wenn ich aufstehe / wenn du aufstehst / wird jeder aufstehen? (Zeilen aus einem Protestgedicht, das während der Revolution sehr populär war). Rechtes Plakat: „Schluss mit der Auswahl von Studenten“. Gemeint sind die mündlichen Aufnahmeprüfungen zu den Universitäten, in denen u.a. Fragen zur Linientreue der Bewerber gestellt werden.

Linkes Plakat: „Universitäten sind kein Militärgebiet“. Dies bezieht sich auf die zunehmende Kontrolle der Revolutionären Garden über das öffentliche Leben – auch die Universitäten. Rechtes Plakat: „Frieden – Gleichheit“

Das rote Plakat links: „3 Selbstmorde, 2 Tote, 1 Angriff in einer Woche. Das ist die Universität“ – offensichtlich eine Anspielung auf zunehmend gewaltsame Übergriffe. Blaues Plakat: „Die Zerstörung des Chauvinismus ist der Weg zur Demokratie“. Grünes Plakat: „Der 16. Asar ist der Tag der Einheit der Studenten gegen die Diktatur“. Weißes Plakat vorn: „“Wir wollen eine friedliche Lösung der Kurdenfrage“

„Auf dem Weg zur Freiheit haben wir nichts zu verlieren außer unsere Ketten!“

Das Plakat vorne links: „Für die Einheit der Studentenbewegung mit der Arbeiter- und der Frauenbewegung“

Auf dem Plakat hinten: „Das Volk will Brot und keine Bomben“. Das Foto, das der Demonstrant trägt, ist das Bild eines der Demonstranten, die bei den Protesten gegen Nixon 1953 zu Tode kamen.

Die Polizei ist nicht auf das Universitätsgelände eingedrungen, um die Demonstranten festzunehmen. Ob es später Verhaftungen gab, ist nicht bekannt.

Kommentare

Es ist ein Kommentar vorhanden. Kommentar hinzufügen!

  1. von
    christoph
    am
    7. December 2006 um 02:26 Uhr

    Na, das ist aber schön, das trotz aller Repressalien und Zeitungsverbote sich noch mutige Menschen zum politischen Widerstand sammeln, Hut ab vor jenen!

    Am Freitag soll ich den Abiturienten eines Gymnasiums über den Iran berichten. Diese Ereignisse werden auch ihren Platz darin finden,

    Gruss Christoph!

Kommentar schreiben

Alle mit * gekennzeichneten Felder sind erforderlich. Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.