
Die Jerusalem Post hat heute (wieder einmal) schlechte Nachrichten für mich.
In einem Exklusiv(!)-Bericht weiß die konservative Zeitung, die wenig Sympathien für das iranische Regime hegt, zu berichten, die Botschaften in Teheran seinen bereits dabei, sich auf einen möglichen Militärschlag gegen den Iran vorzubereiten.
Evakuierungspläne würden auf den neusten Stand gebracht und wer einen solchen Plan noch nicht besitzt, der spute sich, das Versäumnis schleunigst nachzuholen.
Recently, several diplomatic missions based in Teheran have begun to reassess their plans, and embassies without permanent security officers have requested them.
Embassy experts reportedly are testing various evacuation options and logistics, such as timing routes to different destinations by different types of vehicles. The plans include evacuation for all staff.
Die Zeitung beeilt sich, hinzu zu fügen, dass die USA wie Israel alle diplomatischen Möglichkeiten ausschöpfen wollen, das iranische Atomprogramm zu stoppen, aber (ABER!) sollte der Iran mit seinen Anstrengungen schneller sein als die Diplomatie, dann würden die Atomanlagen angegriffen. Netter Weise soll dies geschehen, bevor eine größere radioaktive Verstrahlung verursacht wird.
Die Jerusalem Post weiß sogar einen Zeitraum anzugeben, bis wann dies in etwa geschehen könnte:
According to foreign sources, foreign diplomats believe a possible attack would take place before the end of 2007.
Nach dem ich meinen leichten Anflug von Scham, dass Kollegen im fernen Jerusalem mehr über die Dinge zu wissen scheinen, die da vor meiner Nase geschehen, als ich selbst, überwunden hatte, purzelten mehrere Fragen gleichzeitig durch meinen Kopf.
Wieso sagt man mir nichts davon? Kann es wirklich sein, dass die deutsche Botschaft heimlich Vorbereitungen trifft, um stiekum zu verschwinden, wenn man sie am nötigsten benötigen würde? Hätte sie nicht eine Pflicht, vorher alle Deutschen im Lande zumindest zu warnen? Würden sie auch Z evakuieren? Würde ich überhaupt gehen wollen?
Über die letzte Frage sollte ich vielleicht nachdenken, wenn es so weit ist. Es gibt näherliegende Probleme: sollen wir uns unter solchen Vorzeichen wirklich das Auto kaufen, über das Z und ich geredet haben? Wenn ja, dann sollte es ein gutes Fluchtauto sein. Die Anschaffung des Sofas sollten wir vielleicht auf nächstes Jahr verschieben. Auch der Flachbildfernseher hat noch Zeit. Fußballeuropameisterschaft ist ja erst, wenn die kritische Phase vorüber ist. Auf jeden Fall sollten wir dafür Sorge tragen, dass Z sofort ein neues Schengen-Visum beantragt, wenn das alte abgelaufen ist.
Nicht viele Iraner dürften die Jerusalem Post lesen, aber solche Nachrichten haben eine verzwickte Art sich recht schnell zu verbreiten.
Was mag durch den Kopf eines Familienvaters mit drei Kindern gehen, wenn er erfährt, dass sich die ausländischen Botschaften schon auf einen Krieg vorbereiten? Er hat keinen europäischen Pass, der es ihm und seiner Familie ermöglichen würde, sich rechtzeitig aus dem Staub zu machen. Er hat möglicherweise ein Haus, in dem die Ersparnisse seines Lebens stecken. Wahrscheinlich wird auch er es sich nun zweimal überlegen, ob er größere Anschaffungen nicht lieber erst einmal verschieben sollte, und er wird die Regierung verfluchen, die ihm so etwas eingebrockt hat.
Dies ist sicher der Grund, warum Ahmadinejad erst heute wieder in einem Interview mit dem französischen Fernsehen zum x-ten Mal im Wald pfeift und proklamiert, „Wir haben keine Angst vor einem US Angriff“.
Und vielleicht ist dies auch ein Grund, warum solche Exklusiv-Berichte, die sich auf anonyme Quellen berufen und nur sehr schwer zu überprüfen sind (keine Botschaft wird öffentlich erklären, dass sie solche Vorbereitungen trifft), in der Jerusalem Post zu lesen sind.