Ex-Muslime

Frau Toker bringt es in dem relativ kurzen Interview fertig, eine ganze Reihe von Dingen auf den Kopf zu stellen und miteinander zu verknoten. So fordert sie zum einen, das Staat sollte sich aus religiösen Belangen heraushalten …

„Ist der Islam nun eine Religion oder nicht? Aus meiner Sicht geht es hier um Glaubensdinge, und die sind privat. Da sollte sich die Politik raushalten.“

… um dann auf der anderen Seite zu fordern, dass der Staat dem Islam wie anderen Religionsgemeinschaften auch die Anerkennung verweigert.

„Der Islam wird in Deutschland zunehmend anerkannt. Und ich habe Angst davor, dass der Islam bald auch als “Körperschaft des öffentlichen Rechts” anerkannt wird. Dann können die Muslime Krankenhäuser und Schulen gründen und die Frauen noch mehr unterdrücken.“

Wenn ich mich auf der Webseite der Ex ein wenig umschaue, dann hagelt es nur so Ungereimtheiten und unhaltbare Behauptungen. Beispiel:

„Da der Islam in seiner konsequenten Form mit diversen Artikeln des Grundgesetzes kollidiert, kann er nicht den vollen Schutz des Grundgesetzes für sich in Anspruch nehmen!“

Von welchem „der Islam“ ist hier die Rede? Von der Interpretation der Wahabiten beispielsweise oder eher von den Shiiten, die dem Aga Khan folgen?

Und ist das wirklich so, dass derjenige, der mit Artikeln des Grundgesetzes „kollidiert“, nicht seinen „vollen“ (!) Schutz in Anspruch nehmen kann? Welcher Schutz müsste in einem solchen Fall versagt werden?

Da wird eine „Kritische Islamkonferenz“ für Ende des Jahres angekündigt, bei der dann offensichtlich Islam und Islamismus fesch durcheinander gerührt werden sollen:

Im Einzelnen wird es dabei um die Behandlung folgender Themen gehen:

I. Der Islam als Religion und Herrschaftskultur

II. Ursachen und Wesenszüge des Islamismus

III. Spielarten und Merkmale des islamistischen Terrorismus

IV. Islamisches Patriarchat, muslimische Sozialisation und die Stellung der Frau

V. Islam(ismus) und Zuwanderung

VI. Islam(ismus) und Antisemitismus

VII: Leitkultur Humanismus und Aufklärung als Antwort auf die islamische Herrschaftskultur

Während die Ex-Raucher zumindest wissen, worüber sie reden, scheinen die Ex-Muslime vom Zentralrat nur sehr oberflächliche Kenntnisse zu besitzen.

Zudem unterliegen sie einem kardinalen Denkfehler. Sie gehen davon aus, dass religiöse Lehren die gesellschaftliche Realität bestimmen und ignorieren völlig das recht komplexe Zusammenspiel zwischen Religion und Gesellschaft. Deshalb gelingt es ihnen nicht zwischen den beispielsweise in Indien praktizierten Formen des Islams und den Praktiken in Syrien zu differenzieren. Sie erkennen nicht, dass beispielsweise genitale Verstümmelungen wenig mit dem Islam und viel mit anderweitigen Traditionen zu tun haben.

Sie suchen sich aus dem Koran Passagen heraus, mit denen nach ihrer Vorstellung die Lebenswirklichkeit in islamischen Gesellschaften folgerichtig identisch sein muss. Ich empfehle ihnen mal die Lektüre des Alten Testaments und bin gespannt darauf, wie sie mit diesem Ansatz danach die Lebenswirklichkeit in Israel oder in christlich geprägten Gesellschaften beschreiben werden.

Was macht eine solche Organisation dennoch so attraktiv, dass selbst seriöse Medien ihr ein großes Gewicht bei der öffentlichen Meinungsbildung einräumen?

Sie gelten als diejenigen, die einem Irrglauben abgeschworen haben, als Kronzeugen, denen gern glauben geschenkt wird, weil sie a. es ja angeblich selbst erlebt haben und b. sie weit verbreitete Vorurteile und Zerrbilder bestätigen.

Es ist das „Ex“.

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