Schnecken

17. March 2007 - 20:11

Werbung für einen neuen Imbiss in der Nähe von Hafte-e Tir.

Was soll ich sagen?

Reinigung

13. March 2007 - 23:51

(c) Zohreh Soleimani

Wenn Präsident Georg W. Bush nicht hoch und heilig und ganz fest versprochen hätte, er verfolge eine diplomatische Lösung gegenüber dem Iran, hätte man heute Abend glauben können, in Teheran fänden heftige Gefechte zwischen US Invasionstruppen und iranischen Militärs statt.

Es knallt, pfiff und wummerte in der ganzen Stadt, Lichter blitzten auf und Raketen stiegen in den Himmel.

Nein, kein Krieg. Teheran, soweit es nicht tief religiös ist, feierte Chaharshanbe Souri (wörtlich übersetzt die „Mittwochsparty“). Es ist eine alte Tradition, die auf zoroastrische Wurzeln zurückgehen soll. In der Nacht vom letzten Dienstag auf den letzten Mittwoch des Jahres springt man über ein Feuer, um sich von allen „Verunreinigungen“ des letzten Jahres, seien es Sünden oder Krankheiten, zu befreien. Böller und Feuerwerksraketen haben sich in den letzten Jahren dazugeschlichen.

Besonders beliebt ist dieses Fest beim iranischen Klerus nicht. In den Jahren nach der Revolution hat das Regime versucht, das Feuerspringen zu verbieten. Inzwischen hat es mehr oder weniger vor Volkes Wille kapituliert und lässt es geschehen.

Nur ein Kompromiss wurde arrangiert: heute war nicht der letzte Dienstag des alten (iranischen) Jahres. Der ist erst nächste Woche. Ebenfalls am Dienstag der kommenden Woche ist auch der 40. Trauertag des Todes von Imam Hussein, der alljährlich von der religiösen Bevölkerung gefeiert wird und ein offizieller Feiertag ist. Um Kollisionen zu vermeiden, haben die Feuer-Freunde deshalb ihre Aktivitäten eine Woche vorgezogen.

Ich bin übrigens mehrfach gesprungen. Das Feuer war so klein.

Mist

- 17:53

Zwei Kamele vor meiner Haustür!

Über der amerikanischen Popmusik, die ich den Nachmittag über höre, habe ich das Klingeln und Rufen nicht gehört, aber Z hat sie bemerkt. Zwei Kamele, an der Leine geführt, spazieren unsere Straße entlang.

Ich lebe zwar in dem, was nostalgisch Orient genannt wird, aber diese Tiere sind in Teheran ein höchst ungewöhnlicher Anblick. Die Strassen der Stadt sind verstopft von lärmenden Autos, die schlecht aus dem Auspuff riechen, aber nicht von höckerigen Vierbeinern, die schlecht aus dem Maul riechen.

Z sagt, der Kamelführer verkaufe den Mist der Tiere als Dünger für den Garten, eine alte Tradition im Frühling.

Unser Garten ist in unserer Wohnung im 5. Stock zwar auf wenige Quadratzentimeter Blumentopf beschränkt, aber angesichts des grauen, trübseligen Wetters heute ist mir dieser Frühlingsbote mehr als willkommen.

Donald Klein

- 10:26

Seit gestern 21 Uhr ist Donald Klein wieder auf freiem Fuß. Der deutsche Botschafter im Iran holte ihn vom Eingang des Ewin Gefängnis ab. Er befindet sich seither in Obhut der Botschaft und wartet nun auf sein Ausreisevisum, damit er nach Deutschland zurückkehren kann.

Die Geschichte, wie ein politisch eher naiver Mann durch ein Missgeschick zum Opfer eines Willkürstaates wurde, neigt sich damit seinem Ende.

Klein ist ein leidenschaftlicher Angler. Bei einem Urlaub in Dubai traf er Stephane Llehrbier. Der Franzose, der mit seiner Frau Gefallen am Leben in dem Emirat gefunden hat und sich dort einen Lebensunterhalt zu verdienen versucht, besitzt ein kleines Boot und erzählte Klein von den großartigen Fischen, die man im Persischen Golf fangen kann.

Klein buchte bei Llehrbier einen Ausflug zu den sagenhaften Fischgründen. Zur Orientierung hatte der französische Skipper Seekarten aus den Emiraten bei sich und offensichtlich war ihm nicht bewusst, dass die UAE und der Iran einen bitteren Streit über den Besitz von drei kleinen Inseln im Golf führen.

Arglos gerieten sie deshalb am 29. November 2005 in die Hoheitsgewässer der Insel Abu Musa, die vom Iran beansprucht wird, und wurden von iranischen Sicherheitsbehörden festgenommen und nach Bandar Abbas gebracht.

Illegale Grenzübertritte sind im Iran nichts Seltenes. Entlang der Küste am Persischen Golf wird reger Schmuggel betrieben und wer dabei aufgegriffen wird, wird in der Regel sofort wieder abgeschoben oder muss eine kleine Busse bezahlen. Ungezählte Iraker kommen ebenso illegal über die Grenze wie Afghanen im Osten des Landes.

Auch Ausländer sind in ähnlichen Fällen bislang relativ glimpflich davon gekommen. So wurden im November 2005 die beiden Briten Rupert Wise und Linda Davis ebenfalls vor Abu Musa auf ihrer Yacht verhaftet, wurden aber nach 13 sicher nicht sehr amüsanten Tagen wieder freigelassen.

Klein und Llehrbier wurden von einem Gericht in Bandar Abbas zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Das unerhörte Strafmassnahme löste sofort Spekulationen aus. Vermutet wurde, dass dies eine Art Racheakt für die Haltung Frankreich und Deutschlands in der Nuklearfrage sei. Unerklärlich blieb aber, warum beispielsweise die Briten ohne Gefängnisstrafe davon gekommen sind, obwohl die britische Regierung eine weit härtere Haltung im Atomstreit einnimmt. Zudem dürfte in Teheran kaum jemand ernsthaft glauben, dass die französische oder deutsche Außenpolitik sich in einer solch wichtigen Frage so plump erpressen lassen würde. Im Gegenteil. Der Iran würde das bisschen Goodwill, das noch existiert, verspielen.

Im März letzten Jahres wurde in einer Berufungsverhandlung vor einem Gericht in Bandar Abbas das Urteil bestätigt. Die beiden wurden aber vom Gefängnis in Bandar Abbas in das Ewin Gefängnis nach Teheran verlegt. Dies ermöglichte vor allem eine bessere Betreuung durch die beiden Botschaften. Weiterlesen →

Geld

12. March 2007 - 22:16

Z war heute morgen bei der Bank, um Geld abzuholen. Die Geldscheine sahen wie üblich aus: ein grüner Khomeini für die 10.000 Rial, der verstorbene Revolutionsführer in Blau für 20.000 Rial. Die blaue Variante existiert erst seit knapp zwei Jahren. Die 20.000 Rial Scheine wurden eingeführt, damit man nicht immer mit einer Einkaufstasche zur Bank gehen muss. Zehn solcher Banknoten haben umgerechnet einen Wert von rund 17 Euro.

Aufgrund der US Sanktionen gibt es im Iran keine Kreditkarten und Banküberweisungen scheitern an der Antiquiertheit des Bankensystems. So zahlen wir alles in bar. Sogar die Miete, und da kann einiges an Papier zusammenkommen.

Das soll nun besser werden. Ab heute werden neue Banknoten ausgegeben. Um ehrlich zu sein, ich habe nichts davon gewusst, sondern erfahren habe ich es von einer Redaktionskollegin aus Berlin, die davon in einer Agentur gelesen hatte.

Niemand, den ich kenne, wusste etwas davon, obwohl über Geld in diesen Wochen sehr viel geredet wird. Beispielsweise über die rapide gestiegenen Immobilienpreise, die in einigen Gegenden der Stadt in nur wenigen Monaten um fast die Hälfte nach oben geklettert sind.

Gestern erklärte der Wohnungsminister, er persönlich werde dafür sorgen, dass diese Preissteigerung wieder rückgängig gemacht werde. Wer mag es glauben?

Die neuen Banknoten scheinen dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. Ihr Wert beträgt nun 50.000 Rial. Das dürfte zumindest für einige körperliche Entlastung im täglichen Zahlungsverkehr führen.

Die neuen Scheine sind orange. Auf der einen Seite ist wieder der Revolutionsführer abgedruckt, aber auf der Rückseite hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen. Zu sehen ist eine Karte des Irans, in die das Atom-Symbol (der Kern mit drei kreisenden Elektronen) eingefügt wurde. Daneben wird der Prophet Mohammed mit dem Satz zitiert „Die Menschen Persiens werden wissenschaftliche Kenntnisse erreichen, selbst wenn sie so weit wie die Pleiades liegen“ (hat er das wirklich gesagt ???). Die Pleidas sind eine Sternengruppe in irgendeiner Ecke des Weltalls.

Als man sich das ausgedacht hat, wollte man wahrscheinlich dem nationalen Stolz über die Atomprogramm erzielten Fortschritte auf die Sprünge helfen. Seither haben sich die Dinge aber ein wenig geändert.

Das Atomprogramm kämpft nicht nur mit einer Reihe von technischen Schwierigkeiten, die zu der für Präsident Ahmadinejad peinlichen Situation führen, dass groß angekündigte „großartige Neuigkeiten“ immer wieder verschoben werden müssen, sondern die Stimmung hat sich auch geändert.

Vor einem guten Jahr hätte die überwiegende Mehrheit der Iraner das Nuklearprogramm noch uneingeschränkt unterstützt. Diese Einstellung hat sich mit der stark zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten geändert. Die Frage wird immer öfter gestellt, ob dieses ganze Atomprogramm es wirklich wert sei.

Die bisher verhängten Sanktionen sind sicher nicht der Hauptgrund, warum die Preise eifrig klettern. Verantwortlich ist eher die Wirtschaftspolitik von Präsident Ahmadinejad. Der Eindruck verdichtet sich, dass er in beiden Bereichen, Atom wie Wirtschaft, mehr Schaden als Gutes anrichtet.

Nun sind beide Fragen auf den neuen Geldscheinen unmittelbar miteinander verknüpft. Vorne dank der wieder stärker zunehmenden Inflation neue, größere Zahlen. Hinten das Atomprogramm. Beide Seiten lösen eher ungute Gefühle aus.

So mag es sich denn auch erklären, warum die Einführung der neuen Banknoten ohne viel Aufsehen über die Bühne geht.