Satrapi

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Die iranische Regierung hat offensichtlich ein Problem mit einem ausländischen Film. Das kommt nicht selten vor.

Diesmal geht es um Persepolis, die Verfilmung des gleichnamigen Serie von Comic-Büchern von Marjane Satrapi.

Der Film soll seine Premiere am Mittwoch in zwei Tagen bei dem Filmfestspielen in Cannes haben, aber obwohl ihn iranische Offizielle damit eigentlich noch gar nicht gesehen haben können, protestierten sie bereits.

Die iranische Botschaft in Paris schrieb einen Brief an die Festivalleitung, in dem sie sich beschwerte, „in diesem Jahr hat sich das Cannes Filmfestival in einem ungewöhnlichen und angemessenen Schritt dazu entschlossen, einen Film auszuwählen, der in Teilen ein unrealistisches Bild der Errungenschaften und Ergebnisse der ruhmreichen islamischen Revolution zeichnet.“ (AP)

Welche Teile gemeint sind, lässt der Brief offen.

Ich habe den Film auch noch nicht gesehen und kann deshalb nur vermuten, was gemeint sein kann.

Nicht gefallen dürfte dem iranischen Regime mit großer Sicherheit die Darstellung der Periode unmittelbar nach der Revolution, während der die religiösen Gruppen die mehr liberal oder marxistisch orientierten Rivalen ausschalteten. Es gab Massenverhaftungen, Folterungen, Misshandlungen und Massenexekutionen.

Bis heute ist dies im Iran ein Tabu. Weder wird eingestanden, dass es diese blutige Periode gab, noch kommen die Hinterbliebenen der Opfer zu Wort.

Revolutionen gefallen sich in dem Selbstbild, die Gerechtigkeit, das „Gute“ habe einen hehren Triumph erzielt. Die Erinnerung an die Opfer dieses Triumphs wird ausgeblendet.

Ich bin weiterhin immer wieder darüber verblüfft, wie die Propagandisten der Revolution glauben können, sie könnten mit diesem Diskussions- und Denkverbot davon kommen. Die Zeugen dieser zeit leben noch. Sie erzählen ihre Geschichten nicht öffentlich, aber dennoch werden sie an die Kinder, Freunde und Vertraute weitergegeben. Jeder, der es wissen will, kann erfahren, wie es wirklich war.

Die Revolution, die für Gerechtigkeit und Freiheit angetreten ist, transformiert sich kurze Zeit nach ihrem Erfolg selbst in eine Lüge.

Die Schwarzmarkthändler im Iran werden sich über den Protest freuen. Meine Wette: in spätestens vier Wochen werden Raubkopien des Films überall im Lande zu haben sein und ein Bombengeschäft werden.

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