Paolo

25. June 2007 - 10:33

070625_paolo.jpg

Paolo Woods hat eigenartige Kameras, einen ungewöhnlich Kreis von Freunden und Bekannten im Iran sowie ein gutes Gespür für dieses Land.

Auf der Webseite von TIME sind ein paar seiner jüngsten Fotos aus dem Iran zu sehen und er erzählt von seinen Eindrücken.

Ich bin zu blöde, um dies hier in dieses Weblog einzubasteln, und ohne Erlaubnis darf ich das auch gar nicht.

Deshalb geht es hier entlang.

Mehr tote Zivilisten als tote Taliban

- 08:53

Eine Meldung, die gestern in einigen Zeitungen zu lesen war:

KABUL, Afghanistan (AP) — U.S.-led coalition and NATO forces fighting insurgents in Afghanistan have killed at least 203 civilians so far this year — surpassing the 178 civilians killed in militant attacks, according to an Associated Press tally. (USA Today)

Es ist nicht einfach, die Zahl der Toten zu zählen, und noch schwieriger ist es, tote Taliban von toten Zivilisten zu unterscheiden.

Allgemein gilt, dass die Zahl der Toten in der Regel als zu niedrig angegeben wird. Kein Journalist, kein Mitglied einer NGO, kein Angehöriger der afghanischen Regierung und auch nur wenige Soldaten der NATO Truppen haben Zugang zu den von den Taliban kontrollierten Regionen. Das sind genau die Gebiete, in denen am heftigsten gekämpft wird.

Deshalb stimmen die Zahlen, die veröffentlicht werden, auch nicht immer überein.

ACBAR — the Agency Coordinating Body for Afghan Relief — has counted 230 civilians killed in U.S. and NATO operations, basing their figure on reports from the Afghan Independent Human Rights Commission, Afghan NGO Security Office and the U.N.

The number of civilians killed in militant attacks was approximately the same as those killed by foreign forces according to ACBAR’s latest figures from about a month ago, said Anja de Beer, director of ACBAR.

Die USA und ISAF/NATO geben an, sie besäßen keine Zahlen über die zivilen Toten – oder sie veröffentlichen sie nicht.

Wie auch immer man zählt: niemand kann mehr ernsthaft behaupten, die Tötung von unbeteiligten Zivilisten sei ein „Unfall“ oder ein „bedauerliche Ausnahme“.

Ebenso unglaubwürdig ist die Aussage geworden, die NATO sei in Afghanistan, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Amirali

23. June 2007 - 11:52

070623_aagraph.jpg

Dem einen oder anderen Leser dieses Weblogs mag nicht entgangen sein, dass ich ein stiller Verehrer der Arbeiten meines Freundes Amirali Ghasemi bin. Gut zu wissen, dass auch andere Amiralis Arbeiten schätzen.

Vor zwei Tagen erhielt er während der Internationalen Graphic Bienniale in Teheran den „Icograda Exellent Award“ für das Poster oben (müsste wohl besser übersetzt „Icograda Award for Excellence“ heißen, aber nun ja).

Wer ist Icograda? „Icograda is the world body for professional graphic design and visual communication” sagt die Webseite.

Herzlichen Glückwunsch, Amirali!!

Mehr Poster von Amirali gibt es hier.

Handschlag

22. June 2007 - 18:59

070622_hands.jpg

Mohammad Khatami war in den Jahren von 1997 bis 2005 Präsident des Irans. Der „Reform-Präsident“. Zu seinen politischen Errungenschaften gibt es unterschiedliche Auffassung, aber fast jedermann im Iran würde die Aussage unterstützen, dass er ein äußerst freundlicher und zivilisierter Man ist. Immer adrett gekleidet, höflich und jemand, der seinem Gegenüber mit ausgestreckter Hand entgegentritt.

Letzte Eigenschaft mag ihn nun in Schwierigkeiten gebracht haben.

Auf den Webseiten von konservativen Gruppen im Lande kursiert seit einigen Tagen ein Video, auf dem Khatami zu sehen ist, wie er Frauen die Hand schüttelt. Die Damen sind Italienerinnen und diese an sich ja ganz harmlose Geste fand während der jüngsten Reise des Ex-Präsidenten Anfang Mai nach Italien statt, wo er u.a. den Papst traf.

Harmlos mag Händeschütteln fast überall auf der Welt sein, nicht aber dort, wo eine fundamentalistische Lesart des Islams dominiert. Nach der Sharia ist es einem Mann nicht erlaubt, körperlichen Kontakt mit einer Frau zu haben, die nicht eine enge Verwandte ist.

Die Konservativen sind empört. Wütende Kommentare werden geschrieben. Moralische Abgründe werden angeprangert. Es hagelt Proteste gegen den ehemaligen Präsidenten, der schon mal in Schwierigkeiten steckte, weil er am Rande des Begräbnis des vorangegangenen Papst dem israelischen Präsidenten die Hand geschüttelt haben soll.

Die Ultra-Konservativen sind so empört, dass sie es nicht einfach bei Protesten belassen wollen.. In Maschad soll es zu Demonstrationen gekommen sein, in denen gefordert wurde, Khatami seinen Status als Kleriker abzuerkennen. Ein Antrag sei bei dem Sondergericht für Kleriker gestellt worden. Eine Kopie des Videos wurde beigelegt.

Politische Freunde Khatamis verweisen darauf, dass das Ganze eine politische Kampagne sei. Die Konservativen versuchten den Reformer im Vorfeld der Parlamentswahlen im März nächsten Jahres zu diskreditieren. Der Ex-Präsident hat zwar schon erklärt, er selbst werde nicht für einen Parlamentssitz antreten, aber er ist immer noch die charismatische Leitfigur für ein Bündnis von Moderaten und Reformern.

Durch einen Sprecher ließ Khatami inzwischen erklären, das Video sei eine Fälschung. Nie und nimmer hätte er italienischen Frauen die Hände geschüttelt.

Lügen darf man laut Sharia aber auch nicht.

Steinigung II

21. June 2007 - 20:08

Es sieht danach aus, als ob nach den gestrigen Protesten die für heute angesetzte Steinigung in Takistan nicht stattgefunden hat.

Nach der Aufmerksamkeit, die der Fall gestern erhalten hat, scheint es nicht wahrscheinlich, dass diese Barbarei unbemerkt heute über die Bühne gehen könnte.

Sicher kann man aber nicht sein. Es gibt einige Verwirrung, wer das Recht hat, die Hinrichtung durchzuführen. Der zuständige Richter, der sich aus unbekannten Gründen nach elf Jahre plötzlich daran zu erinnern scheint, dass er (trotz dünner Beweislage) zwei Menschen zu Tode verurteilt hat, scheint nun wild entschlossen zu sein, das Urteil auch zu vollstrecken.

Die Justizverwaltung der Provinz hüllt sich in Schweigen, ob sie den heutigen Termin genehmigt, resp. warum sie den Richter nicht gestoppt hat.

Der Chef der iranischen Justizverwaltung Ayatollah Mahmud Hashemi Shahroudi erinnerte daran, dass er bereits im Jahr 2002 eine Verordnung getroffen habe, dass alle Steinigungen ausgesetzt seien.

Das stimmt zuversichtlich, aber diese Verfügung hat nicht verhindert, dass im letzten Jahr ein junges Paar heimlich auf einem Friedhof in Mashad gesteinigt wurde, noch hat sie den Richter in Takistan stoppen können.

Hätten nicht in letzter Minute ein paar Aktivisten Alarm geschlagen, dann lägen wahrscheinlich zwei geschundene Menschen heute tot in einem Erdloch in Takistan.