
Mohammad Khatami war in den Jahren von 1997 bis 2005 Präsident des Irans. Der „Reform-Präsident“. Zu seinen politischen Errungenschaften gibt es unterschiedliche Auffassung, aber fast jedermann im Iran würde die Aussage unterstützen, dass er ein äußerst freundlicher und zivilisierter Man ist. Immer adrett gekleidet, höflich und jemand, der seinem Gegenüber mit ausgestreckter Hand entgegentritt.
Letzte Eigenschaft mag ihn nun in Schwierigkeiten gebracht haben.
Auf den Webseiten von konservativen Gruppen im Lande kursiert seit einigen Tagen ein Video, auf dem Khatami zu sehen ist, wie er Frauen die Hand schüttelt. Die Damen sind Italienerinnen und diese an sich ja ganz harmlose Geste fand während der jüngsten Reise des Ex-Präsidenten Anfang Mai nach Italien statt, wo er u.a. den Papst traf.
Harmlos mag Händeschütteln fast überall auf der Welt sein, nicht aber dort, wo eine fundamentalistische Lesart des Islams dominiert. Nach der Sharia ist es einem Mann nicht erlaubt, körperlichen Kontakt mit einer Frau zu haben, die nicht eine enge Verwandte ist.
Die Konservativen sind empört. Wütende Kommentare werden geschrieben. Moralische Abgründe werden angeprangert. Es hagelt Proteste gegen den ehemaligen Präsidenten, der schon mal in Schwierigkeiten steckte, weil er am Rande des Begräbnis des vorangegangenen Papst dem israelischen Präsidenten die Hand geschüttelt haben soll.
Die Ultra-Konservativen sind so empört, dass sie es nicht einfach bei Protesten belassen wollen.. In Maschad soll es zu Demonstrationen gekommen sein, in denen gefordert wurde, Khatami seinen Status als Kleriker abzuerkennen. Ein Antrag sei bei dem Sondergericht für Kleriker gestellt worden. Eine Kopie des Videos wurde beigelegt.
Politische Freunde Khatamis verweisen darauf, dass das Ganze eine politische Kampagne sei. Die Konservativen versuchten den Reformer im Vorfeld der Parlamentswahlen im März nächsten Jahres zu diskreditieren. Der Ex-Präsident hat zwar schon erklärt, er selbst werde nicht für einen Parlamentssitz antreten, aber er ist immer noch die charismatische Leitfigur für ein Bündnis von Moderaten und Reformern.
Durch einen Sprecher ließ Khatami inzwischen erklären, das Video sei eine Fälschung. Nie und nimmer hätte er italienischen Frauen die Hände geschüttelt.
Lügen darf man laut Sharia aber auch nicht.