Sahar al-Haideri

070614_sahar.jpgDie Tage werden immer zahlreicher, an denen ich meine anschwellende Schwermut nur dadurch im Griff behalten kann, indem ich grässlich wütend werde.

Wir fangen an, tote Kollegen und vor allem tote Kolleginnen zu zählen wie tote Fliegen. Nach den beiden afghanischen Journalistinnen Shakiba Saanga Amaj und Zakia Zaki wurde vor einer Woche die irakische Journalistin Sahar Hussein al-Haideri vor ihrer Haustür erschossen.

Sahar arbeitete für eine Zeitung in Mosul, für die Voices of Iraq Nachrichtenagentur sowie für das Institute for War and Peace Reporting (IWPR), wo sie auch ihre journalistische Ausbildung erhalten hat.

Aus Sicherheitsgründen hatte sie angefangen, unter einem Pseudonym zu schreiben. Ihre Familie, darunter ihre vier Kinder, war bereits vor sechs Monaten nach Damaskus geflohen. Als sie jetzt allein zurück kam, wurde ihr vor ihrem Haus aufgelauert und sie wurde erschossen.

Zur Tat bekannt hat sich Ansar al-Sunna, eine sunnitische Terrorgruppe, in einem Schreiben an eine kurdische Zeitung.

Nach subtiler Beobachtung sind wir zu dem Schluß gekommen, dass durch Zusammenarbeit mit der irakischen Polizei, die von den Beatzungsmächten unterstützt wird, Sahar falsche, die Wahrheit verzerrende Berichte über die Mudschaheddin schrieb. Am 7. Juni lauerte ihr eine Gruppe von Ansar-Kämpfern auf und durchlöcherte ihren Körper mit Kugeln.

Sahar hatte wie jede anständige Journalistin natürlich auch bei der Polizei recherchiert und von dort Informationen erfragt. Sie war in ihrer Berichterstattung aber alles andere als „polizeifreundlich“.

Susanne Fischer, die die Journalistenausbildung von IWPR in Suleimani im Irak leitet, hat in ihrem Weblog bei stern.de einen sehr persönlichen Nachruf auf Sahar geschrieben.

Du warst zerrissen - zwischen der Sorge um Deine Sicherheit und dem Wunsch, nicht zu kapitulieren vor denen, die Dich zum Schweigen bringen wollten. Dem Wunsch, öffentlich zu machen, wie Extremisten Schritt für Schritt dabei sind, Deine Heimatstadt Mosul unter ein archaisch-absurdes islamistisches Schreckensregime zu bringen.

Ich wünschte, die Sorge hätte obsiegt. Und Du wärst ein weiterer der 1.4 Millionen irakischen Flüchtlinge in Syrien geworden. Aber Du wolltest kein Flüchtling sein. Du wolltest Reporterin bleiben. Und die Frage stellt sich auch: Was wird aus einem Land, wenn alle Sahars gehen?

In einem zweiten Nachruf für die Webseite von IWPR schreibt Susanne

Iraqi journalists need more support of a worldly nature, too.

IWPR richtet deshalb einen „Journalist Assistant Fund“ ein, der Journalisten helfen soll, bei allzu großer Bedrohung unterzutauchen, die Stadt zu wechseln oder auch ins Ausland zu gehen. Mit diesem Geld sollen ebenfalls die Familien unterstützt werden.

Wenn der Fund, der nach Sahar benannt werden soll, eingerichtet ist, mehr.

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