
Geburtstag der Queen und natürlich muss das gefeiert werden.
Überall auf der Welt und deshalb auch in Teheran gaben gestern die britischen Botschaften Empfänge, um Gäste mit Cracker und Tee an dem fröhlichen Ereignis teilzunehmen zu lassen.
Leider sind die Briten derzeit im Iran nicht so populär. Ich muss mich korrigieren: Briten sind im Iran eigentlich nie besonders populär gewesen und derzeit bei bestimmten Gruppen ganz besonders unpopulär.
Das hängt zum einen mit der Kolonialgeschichte zusammen. Die Briten haben sich nicht sonderlich gut aufgeführt, sondern sich im wesentlichen darauf konzentriert, sich das iranische Öl unter den Nagel zu reißen. Zum zweiten sind nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den USA die Briten der greifbare Feind Nummer 1 geworden. Wann immer man gegen die Politik der „arroganten Mächte“ protestieren will, zieht man vor die britische Botschaft und benutzt sie gelegentlich auch als Zielscheibe.
Schließlich existieren derzeit eine besondere Animositäten gegen die Briten, ohne dass sich mir ganz erschließen würde, was für einen aktuellen Anlass es dafür geben würde. Revanche für irgendein „Fehlverhalten“, von dem ich nichts weiß? Viel Feind viel Ehr? Ablenkung von innenpolitischen Problemen auf einen äußeren Feind?
Gestern fand erneut eine Demonstration vor der britischen Botschaft statt. Anlass war der Anschlag auf den Schrein im irakischen Samarra, für den nach Ansicht der iranischen Hardliner weniger die Attentäter sondern vor allem die Besatzungsmächte im Irak verantwortlich sind. Aber eigentlich ging es um etwas anderes.
Die Demonstration war – anders als sonst üblich – schon vorab im TV angekündigt worden. Die eingeladenen Gäste waren also vorgewarnt, dass sie mit fliegenden Steinen rechnen mussten. Von den mehr als 1.200 Eingeladenen sind dann auch nicht mehr als 200 bis 300 gekommen.
Am Eingang wurden sie von einer Gruppe von weniger als 100 Demonstranten mit Sprechchören „Verräter!“ in Empfang genommen. Auf dem Foto oben sind ein paar dieser Basiji zu sehen. Die Aufschrift auf dem Plakat, das die Frau rechts trägt, ist zu lesen: „Gast der Briten: schäm Dich! schäm Dich!“
Als die Gäste am Abend die Party wieder verlassen wollten, erwartete sie eine Überraschung. Vor dem Eingang lauerte ein Fotograph, der jedermann, der durch den Ausgang kam, fotografierte.
Nun gibt es im Iran keine Klatschpresse, die über die gesellschaftlichen Ereignisse berichtet. Dafür gibt es aber eine in den letzten Wochen stark gestiegene Angst, in Schwierigkeiten zu geraten, wenn man mit Ausländern (und dann auch noch die Briten!!) zu tun hat. Ausländer und vor allem die westlichen Botschaften gelten als Agenten des Umsturzes. Fünf Iraner, die zugleich die amerikanische Staatsangehörigkeit besitzen und ihren Wohnsitz in den USA haben, sitzen derzeit im Gefängnis. Ihnen wird vorgeworfen, an der Vorbereitung einer „samtenen Revolution“ mitgearbeitet zu haben. NGOs, die Geld aus dem Ausland erhalten, werden geschlossen. In Verhören wird von den Sicherheitskräften immer wieder nach Kontakten zu Ausländern und vor allem zu Botschaften gefragt.
Der Fotograph, so stellte sich erst später heraus, arbeitet für die konservative Nachrichtenagentur Fras News, die den Sicherheitskräften nahe steht.
Einige der Fotos sind auf der Webseite von Fars News zu sehen. Für mich haben sie keinen erkennbaren Nachrichtenwert.
Interessierte Betrachter werden sie sicher dennoch finden.