Obama

5. November 2008 - 10:37

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Bin ich tatsächlich der Einzige, dem es schwer fällt, sich den weltweiten Jubelfeiern zur Ankunft eines Erlösers ohne Vorbehalte anzuschließen?

Radovan Karadzic

22. July 2008 - 12:58

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Am Ende sehen sie aus wie Einsiedler, die ihr Leben irgendwo abgeschieden tief im Wald verbracht haben. Saddam Hussein, als er aus seinem Erdloch gezogen wurde, hätte gut für die Rolle des Räuber Hotzenplotz besetzt werden können. Radovan Karadzic lebte zwar mitten in der Stadt und verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit „alternativer Medizin“, sieht aber so aus, als ob der Kräuter dafür eigenhändig in tagelangen Wanderungen durch die Berge gesammelt hätte.

Gebrochene Männer, des Amtes beraubt, das es ihnen ermöglicht hatte, ihren Terror auszuüben. Kaiser, die ihre Kleider verloren hatten. Am Ende nur noch zwei große buschige alte Männer mit Angst in den Augen. Fast könnte man mit ihnen Mitleid haben.

Ich habe Karadzic irgendwann in den 90er Jahren in einem Hotelzimmer im New York Plaza getroffen. Er war in Manhattan, um an Verhandlungen über einen Waffenstillstand bei der UN teilzunehmen. Seinem Aufenthalt waren im Vorfeld lebhafte Diskussionen vorausgegangen, weil jederman klar war, dass er für zahlreiche Kriegsverbrechen und Abscheulichkeiten verantwortlich war. Es kursierte das Gerücht, ein „Bürgerarrest“ von Menschenrechtsaktivisten sei geplant, das sich leider nicht bewahrheitet hatte, aber die US Regierung erteilte dem Führer der bosnischen Serben zur eigenen Gesichtswahrung nur ein Visum mit einem Bewegungsspielraum von 10 Meilen rund um das UN Gebäude.

Er sah zerwuselt aus, als er in das Hotelzimmer kam, dass als eine Art provisorischer Empfangsraum des bosnischen-serbischen Delegation herhielt. Seine Hemd hing ein wenig aus der Hose, der Anzug war zerknittert, als habe er darin ein kleines Nickerchen gehalten, und seine berühmte silbergraue Haarpracht zerwuschelt. Er wirkte alles andere als „charismatisch“, wie er damals oft beschrieben wurde.

Grumpelig eröffnete das Gespräch mit einer Aufzählung von Verbrechen, die die Deutschen seit Hitler und bis zu Genscher an den Serben begangen hätten, bot mir dann aber in einer versöhnlichen Geste einen Wodka an. Der Slibovitz war wohl gerade alle.

An die Einzelheiten des Interviews kann ich mich nicht mehr erinnern. Es war ein konfuser Mischmasch aus abenteuerlichen historischen Analogien, plumpen nationalistischen Parolen und eine Selbststilisierung als Opfer und wurde zu Recht nie gesendet. Karadzic besondere Fertigkeit bestand darin, seine serbischen Milizen von jedem Verbrechen reinzuwaschen, indem er das serbische Volk zum ständigen Opfer erklärte. Notfalls griff er in die historische Trickkiste, um kleinzureden, warum 300 Jahre später moslemische Frauen von seinen Männern vergewaltigt, ihre Männer gequält und ermordet wurden.

Um zu unterstreichen, was ein kultivierter Mann er selbst und die Serben im allgemeinen sind, trug er mir ein paar seiner Gedichte vor. Ich kann kein Serbisch, aber auch wenn ich die Zeilen verstanden hätte, hätten sei mich nicht von meinem Eindruck abbringen können, es hier nicht mit einem Psychiater, sondern mit einem Psychopaten zu tun zu haben. Heute nennt man solch einen Mann einen Warlord. Man findet solche Typen in Afghanistan, in Pakistan oder in solch abgelegenen Gegenden wie Abchasien. Männer, die religiösen Fanatismus oder dumpfen Nationalismus im Interesse ihrer eigenen Macht mobilisieren.

Dass man ihm dennoch hofierte und zu Verhandlungen nach New York einlud, hatte mehr mit der Angst der internationalen Gemeinschaft als mit dem staatsmännischen Format von Karadzic zu tun. Briten wie Franzosen, die damals das Hauptkontingent der Blauhelme in Bosnien stellten, fürchteten, in eine bewaffnete Konfrontation hineingezogen zu werden, und waren deshalb bereit, mit Kriegsverbrechern wie dem Mann aus Pale Kompromisse einzugehen. Statt ein demokratisches Bosnien zu unterstützen, in denen alle Ethnien und Religionsgruppen gleiche Rechte genießen, ließen sie sich auf Pläne ein, das Land in ethnische Enklaven einzuteilen, und fügten sich damit der Logik der „ethnischen Säuberungen“. Statt die Bevölkerung zu schützen, versuchten sie, eine „friedliche Lösung“ zwischen Tätern und Opfern zu schaffen, von der allein die Täter profitierten.

Deutschland, das geplant oder ungeplant zum Statthalter kroatischer Interessen geworden war, drängte auf ein entschiedeneres Vorgehen gegen Karadzic und seine Schergen, wollte aber keine eigenen Truppen auf den Balkan schicken. Die (Un)Taten der serbischen Milizen lösten eine Debatte aus, in der sich die Nachkriegsgeneration eingestehen musste, dass Pazifismus sowohl eine ehrenwerte wie gleichzeitig eine bequeme, heuchlerische Haltung sein kann. Barbaren sind manchmal nur durch Waffen zu stoppen.

So nahmen Karadzic und seine Räuberbanden schließlich (und erst dann!) ihr Ende, als NATO Flugzeuge die militärische Infrastruktur der Serben bombardierten. Karadzic tauchte unter und erneut zeigte die „internationale Gemeinschaft“ wenig Entschlossenheit. Die Anstrengungen, ihn aufzuspüren und für seine Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen, waren allenfalls halbherzig.

Zum Abschied gab mir Karadzic in dem Hotelzimmer in New York ein Empfehlungsschreiben mit. Auf die Rückseite einer Restaurantrechnung schrieb er „Herr Martin Ebbing ist als Gast in der Republik Srepska jederzeit willkommen und es ist ihm jede Unterstützung zu gewähren“. Ich habe den Zettel inzwischen verloren.

Es ist nicht schade darum. Beim internationalen Gerichtshof in Den Haag würde er allemal nicht anerkannt.

Happy I

4. April 2008 - 10:18

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Kein Bild? Kein Ton?

18. March 2008 - 10:28

Mein Server hat ein verzwicktes Problem. Deshalb ist es mir im Moment nicht möglich, Bilder oder Töne aufzuladen.

Ich habe eine kleine Pause eingelegt, weil ich dachte, dies lässt sich schnell lösen. Lässt es sich nicht.

Deshalb vorerst ohne Bild und Ton.  Vielleicht liefere ich sie nach.

Schwieriger Alltag II

15. January 2008 - 07:43

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Schon mal darüber nachgedacht, warum es zwar Eier gibt, die zerbrechen, aber keine zerbrochenen Eier, die sich wieder zusammensetzen? Der österreichische Physiker Ludwig Boltzmann hat. Er interessierte sich neben anderem für die einfache Frage: warum geht die Zeit immer nur vorwärts? Oder anders: wenn Atome sich in allerlei Gruppierungen immer wieder neu zu Konfiguration zusammenfügen und so die uns bekannte materielle Welt formen, warum zerbrechen dann immer nur die Eier und warum setzen sie sich nie zusammen. Beides wäre nach den Gesetzen der Physik möglich.

Seine Antwort (die sicher auch für eine Reihe anderer zerbrechlicher Gegenstände gilt): nach dem 2. Gesetz der Thermodynamik bewegen sich Partikel jeweils auf den Zustand  größtmöglicher Unordnung zu (womit nicht ein zerbrochenes Ei gemeint ist).  Dieser Vorgang spielt sich der Zeit ab. Es gibt ein Vorher und ein Nachher, Vergangenheit und Zukunft und der Prozess ist wie ein Pfeil in eine Richtung gerichtet. Erst war das Ei heil, dann ist es zerbrochen.

Vom Ei auf das Universum übertragen bewegen wir uns in einem Kosmos, der sich von einer hoch geordneten zu einem immer ungeordneterem Zustand bewegt. Es ist vorstellbar, dass diese Unordnung irgendwann ihren größtmöglichen Zustand erreicht und der Prozess würde zum Stillstand kommen. Das wäre auch das Ende der Zeit, denn nichts bewegt sich mehr. Kein Ei wird mehr zerbrechen.

Möglich ist aber auch, dass eine kleine Turbulenz die ganze Geschichte wieder in Bewegung setzt. Partikel würden wieder wild durcheinander sausen und neue Ordnungen bilden. Die Zeit wäre wieder in Gang gesetzt. Möglich wäre dann beispielsweise auch, dass es zerbrochene Eier gibt, die sich wieder zusammensetzen. Alles nur eine Frage der Wahrscheinlichkeiten und eine Frage der Geduld. Man muss nur lange genug warten, bis ein solcher Prozess in Bewegung gesetzt wird.

Für Boltzmann gab es zwar ein mögliches Ende, nicht aber einen Anfang. Nach seiner Vorstellung existiert das Universum seit der Unendlichkeit. Dies mag aber kein Astrophysiker mehr glauben. Die gängige Sichtweise ist, es gab einen Big Bang, der der Ursprung unseres Universums war. Inzwischen gilt es sogar als wahrscheinlich, dass irgendwo im All immer weitere Big Bangs stattgefunden haben und stattfinden werden. Möglich ist, dass das Universum, das wir kennen, nur ein Teil einer Kette von Big Bangs ist. Möglich ist auch, dass parallele Universen zu unserem existieren und nicht ausgeschlossen werden kann auch, dass nicht irgendwo da draußen sich Atome zu einer exakten Kopie von uns zusammengefügt haben. Wahrscheinlicher ist allerdings, wie Boltzmann spekuliert hat, dass statt eines kompletten Menschen ein oder gleich ganze Scharen von Gehirnen durch die Leere schweben. Zumindest ist es offensichtlich ganz schwer zu belegen, warum dies nicht so ist.

Unvorstellbar? Absurd? Bizarr? Alles heute in der NYT nachzulesen.