Hühner

11. November 2008 - 22:45

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Ich kann mir nicht helfen. Jedes Mal, wenn ich an einer Metzgerei vorbei komme, in der die gerupften Hühner zu einem solchen Fleischstapel arrangiert wurden, geht mir der Gedanke durch den Kopf: wie frisch mag wohl das Huhn ganz unten sein?

Aber eigentlich möchte ich die Antwort gar nicht wissen.

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Esha Momeni Update

10. November 2008 - 22:39

Esha Momeni wurde nach Angaben ihres Vater heute gegen eine Kaution von 200.000 US Dollar aus dem Evin Gefängnis entlassen. Die Familie hat die Eigentumsurkunde ihres Hauses in Teheran als Sicherheit hinterlegt.

Sie kann das Land nicht verlassen, sondern muss sich morgen vor Gericht einfinden. Vorgeworfen werden ihr „Aktionen gegen die nationale Sicherheit“ sowie „Propaganda gegen das System“. Auf beide Anklagepunkte können langjährige Freiheitsstrafen verhängt werden.

Kordan

4. November 2008 - 19:27

Ali Kordan

Die Islamische Republik gefällt sich immer wieder darin, von sich selbst ein Bild der moralischen Überlegenheit gegenüber dem Westen zu zeichnen. Während im Westen angeblich Korruption und Verfall dominieren, sieht sich der Iran selbst gern als ein Land, in dem Anstand und Moral den Alltag bestimmen – seien es im Umgang der Geschlechter miteinander oder auch in der Politik.

Heute stand ein Misstrauensvotum gegen den neuen Innenminister Ali Kordan im iranischen Parlament zur Abstimmung an. Kordan war von seinem engen Vertrauten Ahmadinejad vor drei Monaten auf diesen Posten berufen worden, nachdem sich der Präsident von dem Vorgänger im Amt im Streit trennte. Die iranische Verfassung schreibt vor, dass Minister vom Parlament bestätigt werden müssen. Kurz vor der damaligen Abstimmung tauchte bereits der Verdacht auf, dass ein Ehrendoktortitel der Oxford University, den Kordan als Nachweis für seine Qualifikation für das Amt präsentiert hatte, nicht echt sei. Mit dem Hinweis darauf, auch Revolutionsführer Khamene-i stehe hinter dem neuen Mann, gelang es Ahmadinejad, seinen Kandidaten mit einer recht bescheidenden Mehrheit durchzubringen.

Wenige Tage später war es nicht mehr zu leugnen: die Urkunde war eine recht amateurhafte Fälschung. Niemand in Oxford kannte die beiden Herren, die mit ihrer Unterschrift Kordan für „herausragende administrative Fähigkeiten“ sowie eine schriftliche Arbeit mit unbekanntem Thema den Titel bescheinigt haben. Von den Rechtschreibefehlern in dem Dokument mal ganz abgesehen.

Kordan gab sich erschrocken und gab an, Opfer eines Betruges geworden zu sein. Und dann passierten außergewöhnliche Dinge.

Der frischgekürte Innenminister, zu dessen Aufgaben neben der Ernennung von Gouverneuren und lokalen Offiziellen auch die Überwachung der ordnungsgemäßen Durchführung der Präsidentschaftswahlen im Juni kommenden Jahres gehört, ließ wissen, er sehe keinen Grund, wegen dieser Affäre zurück zu treten.

Ahmadinejad stellte sich ebenfalls hinter seinen Mann und versuchte Einwände mit der Bemerkung vom Tisch zu fegen, es handele sich um nicht mehr als um einen „Fetzen Papier“, der nichts über die Qualifikation eines Ministers aussage. Später allerdings ordnete er an, dass die Zeugnisse aller Regierungsmitglieder überprüft werden sollen.

Die Geschichte gewann ein Eigenleben. Es tauchten neue Gerüchte auf, dass Kordan, der u.a. Recht an einer Universität lehrt, bereits zuvor andere Zeugnisse gefälscht habe. Es war gar die Rede davon, er sei noch zu Zeiten des Schahs in eine Vergewaltigung verwickelt gewesen, nach der Revolution sei die Angelegenheit aber nicht weiter verfolgt worden.

All dies wären eigentlich ausreichende Gründe, wenn schon nicht einen Minister zum Rücktritt zu bewegen dann doch zumindest eine Untersuchung einzuleiten. Ahmadinejad blieb stur.

Abgeordnete sammelten Unterschriften für einen Antrag auf ein Misstrauensvotum und als sie das notwendige Quorum zusammen hatten, gab es ein Handgemenge im Plenarsaal. Mohammad Abbassi, Verantwortlich in der Regierung für die Beziehungen zum Parlament, geriet mit einem Angeordneten aneinander, der anschließend behauptete, ihm seien (wie anderen auch) rund 5000 US Dollar für den Bau einer Moschee in seinem Wahlkreis angeboten worden, wenn er sich verpflichte, nicht gegen Kordan zu stimmen. Ahmadinejad feuerte Abbassi, Kordan blieb weiter im Amt.

Bis zuletzt hielt der Präsident an seinem Minister fest und als das Datum für das Misstrauensvotum festgesetzt wurde, nannte Ahmadinejad die Abstimmung „illegal“.

Im Parlament tauchte er heute nicht auf. Kordan musste sich selbst verteidigen und schimpfte über eine „Verleumdungskampagne“, in der er als „Terrorist“ bezeichnet werde (was niemand gesagt hatte) und beschuldigte das israelische Radio sowie „nicht Persisch sprechende“ Medien (die im Iran gern beschuldigt werden).

Am Ende mochten nur 45 von insgesamt 247 anwesenden Parlamentariern für seinen Verbleib im Amt stimmen. 188 stimmten dagegen und 14 enthielten sich.

Die Geschichte hat neben der Schlappe für Ahmadinejad im konservativ dominierten Parlament noch einen weiterreichenden politischen Hintergrund. Laut Verfassung muss sich das gesamte Kabinett erneut einem Vertrauensvotum stellen, wenn von den ursprünglich ernannten Ministern mehr als die Hälfte ausgewechselt wurde. Kordan ist der zehnte von insgesamt 21 Ministern, die gehen mussten. Beim derzeitigen Stand der Dinge muss Ahmadinejad befürchten, dass eine solche Abstimmung zu einer Generalabrechnung über seine Regierung würde, die für ihn nicht positiv ausfällt.

Es gibt noch einen anderen Aspekt. Auffällig ist, welches großes Gewicht in der iranischen Politik auf akademische Titel gelegt wird. Ich wüsste nicht einmal zu sagen, ob Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier, Barak Obama oder John McCain irgendeinen Hochschulabschluss hat. Big Deal im Iran.

Das habe mit Khatami begonnen, sagt P, der einfach nur P bleiben möchte. Er habe bei seinem ersten Wahlsieg für sich ins Feld führen können, dass er nicht nur einfach ein „Mullah“ sei, der auf irgendeiner religiösen Schule seine Bildung genossen hat, sondern dass er auch an einer „richtigen“ Universität studiert hat. Damit unterschied er sich von den anderen „Mullahs“, deren Inkompetenz in Fragen der Wirtschaft und des Managements als eine Hauptursache für die Miseren des Landes gilt. Zudem wird Bildung allgemein im Iran hoch geschätzt.

Nach Khatami mag kein Politiker dem Reformpräsidenten mehr nachstehen, so P. Ein akademischer Titel muss her, um als kompetent zu gelten. P: „Notfalls auch ein Titel aus Oxford“.

Leuchtet ein.

Auslandsjournalismus

24. October 2008 - 19:04

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Da setze ich mich hin und schreibe einen kleinen Besinnungsaufsatz über meine Kümmernisse mit dem Auslandsjournalismus vor allem im TV, wenn andere es doch viel besser und vor allem grundsätzlicher bereits formuliert haben.

Das Netzwerk Recherche (einer der beiden Vereine, die bereit waren, mich als Mitglied aufzunehmen) hat gestern ein Dossier zum Thema „Auslandsjournalismus in der Krise“ veröffentlicht, das ich jedermann ans Herz lege, der sich fragt, warum oft so mies ist, was man im Fernsehen über Auslandsthemen sehen, im Radio hören oder in der Zeitung lesen kann.

Mit dem Dossier schickte das Netzwerk gleich noch die Festrede des ehemaligen WDR Intendanten und heutigen Präsidenten der Europäischen Rundfunkunion, Fritz Pleitgen, bei der Verleihung des Otto Brenner Preises für kritischen Journalismus 2008 am vergangenen Mittwoch in Berlin.

Auch dies ein lesenwerter Text. Auszug:

In der Prime Time meiner ARD würde ich auch gerne mehr kraftvolle Reportagen und hintergründige Dokumentationen aus dem Ausland sehen. Bedenklich finde ich, dass das alte Ungleichgewicht in der Berichterstattung nicht wegzukriegen ist. Es wird kein angemessenes, geschweige denn gerechtes Bild vom Geschehen in der Welt liefert. Wie auch? Die Korrespondenten knubbeln sich in Europa und den USA. Afrika, weite Teile Asiens und Lateinamerika werden sträflich vernachlässigt. Was Afghanistan angeht, habe ich den Eindruck, dass ich über unsere Medien nicht erfahre, was in dem Land tatsächlich vor sich geht, außer Militäraktionen gegen Taliban und terroristische Anschläge auf ausländische Truppen. Ich vermute, das wird nicht die ganze Wahrheit sein. Daran werden auch die zahlreichen Reporter nichts ändern, die hochrangige Politiker nach Afghanistan begleiten. Von solchen Touren erwarte ich überhaupt keinen Erkenntnisgewinn, höchstens Vernebelungsgefahr. Um diese Propagandatrips sollten sich Journalisten möglichst nicht reißen. Sie können allerdings zu Kontaktaufnahmen genutzt werden.

Was ist eigentlich mit dem Irak? Darüber wissen wir im Grunde gar nichts. Wir hören von dem Land, das uns so in Atem gehalten hat, höchstens noch, wenn mal wieder ein Anschlag passiert. Die Meldung trägt zur Aufhellung der Verhältnisse wenig bei. Normalisiert sich die Lage oder braut sich neues Unheil zusammen? Eigentlich müsste auch der Kaukasus von sach- und sprachkundigen Journalisten auf absehbare Zeit fest besetzt werden. Mit gelegentlichen Besuchen ist den komplizierten Verhältnissen in der Region nicht beizukommen.

Bei allem Engagement werde ich den Verdacht nicht los, dass es uns nicht gelingt, mehr Kenntnis und mehr Aufklärung über andere Länder in unserer Bevölkerung zu schaffen. Dass Stereotypen abgebaut wurden, lässt sich kaum behaupten. Im Gegenteil, was den Islam angeht, haben sich die Vorurteile unter den Deutschen noch verstärkt, zumindest unter den autochtonen.

Ich wäre fast geneigt, Pleitgen für sein Eintreten für den Auslandsjournalismus um den Hals zu fallen. Aber dann fällt mir gerade noch ein, dass während seiner Zeit als Intendant des WDR, der gewichtigsten Anstalt innerhalb der ARD, die Krise des Auslandsjournalismus eher zu- als abgenommen hat.

Abgefangen

- 12:33

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Alles war mit den iranischen Behörden abgeklärt. 10 iranische Journalisten, das Visum in der Tasche, standen am Dienstag letzter Woche am Flughafen Imam Khomeini bereit, um auf Einladung vom Institute for War and Peace Reporting (IWPR) für drei Wochen in die USA zu reisen.

Die Einladung war offiziell. Ursprünglich sollten 14 iranische KollegInnen reisen, 10 standen schließlich auf der Liste, die mit der zuständigen Abteilung des Ministeriums für Kultur und islamische Führung abgestimmt war. Das Ministerium war auch darüber informiert, dass die Gruppe nach Dubai flog, um sich beim dortigen US Konsulat ihre Visa abzuholen.

Am Dienstag hatten die 10 bereits die Passkontrolle passiert als Herren in Zivil auf sie zukamen und ihnen die Ausweise abnehmen. Die Gruppen wurde knapp vier Stunden am Flughafen festgehalten und dann nach Hause entlassen. Die Sicherheitsleute behielten die Pässe.

Seither werden Mitglieder der Gruppe einzeln beim Sicherheitsdienst einbestellt, befragt und sie gleichzeitig darüber aufgeklärt, beim IWPR handele es sich um ein Unternehmen der CIA, mit dem ein Regimewechsel im Iran betrieben werden solle.

Niemand wurde bislang verhaftet, aber die Pässe wurden auch nicht zurück gegeben. Die Verantwortlichen im Kulturministerium sprechen von „Missverständnissen“.

PS: IWPR hat einen eigenen Service mit Beiträgen iranischer Journalisten namens Mianeh.

Disclaimer: ich habe in der Vergangenheit für IWPR als Trainer im Irak gearbeitet, allerdings nie das Gefühl, dies im Auftrag der CIA zu tun.