Frauen, Parfüm und Gebet
17. October 2006 - 09:24

Ich habe zwar den Newsletter des Middle East Media Reasearch Institutes (Memri) abonniert, lese aber die Übersetzungen, die mir ins Haus flattern mit einiger Skepsis. Von einer „Brücke zwischen dem Westen und dem Mittleren Osten“ kann nicht die Rede sein. Zu sehr kapriziert sich die Auswahl der übersetzten Texte entweder auf „gute“ Moslems, die den Islam reformieren wollen, oder auf Islamisten, die am radikalen Rand der islamischen Welt ihr Unwesen treiben.
Dennoch ist gelegentlich - wie heute - etwas Lesenwertes dabei. Memri hat einige Passagen aus einem Interview des französischen Magazins Afrique Magazine mit dem algerischen Autor Malek Chebel übersetzt, der gerade sein neues Buch The Arab Kama Sutra veröffentlicht hat.
Chebels These:
“Islam is the only monotheistic religion that advocates free and spontaneous access to sexuality. One never finds in Muslim texts any condemnation or diminution of sexuality. Just because we have been a state of decadence for the last two centuries does not mean that we should consider the totality of the [Islamic] doctrine decadent. [This doctrine] is quite explicit: Sexuality is a gift from God, so go ahead, in all of the possible and legitimate ways, and without holding back. The only constraint is the partner’s consent. In a pinch, even sodomy may be permitted, if the partner consents. Masturbation too. “
Das sieht im Alltag allerdings ganz anders aus. Oder genauer gesagt: es erweckt einen anderen Anschein. Jeder intime Kontakt in der Öffentlichkeit ist ebenso streng verpönt wie die Darstellung von Intimitäten. Sex hat nur in der Ehe stattzufinden und Heranwachsende werden mit Verboten und Einschränkungen malträtiert, wie es in einem katholischen Kloster nicht schlimmer sein könnte.
Chebels Erklärung:
“We no longer know how to speak of our sensual enjoyment, our pleasures, our utopias, or our liberties. This is the result of the trauma of our collective defeats - the rout in Granada (1492), subjugation to the Ottomans, colonization, and botched decolonization. We are in an unfortunate phase of sexual regression, of outright prudishness. This has reached the point where the very fact of speaking of a man’s or a woman’s nudity seems like an outrage. Sexuality is not something impure or dirty.”
Das religiöse Establishment unterstütze Prüderie und Heuchlerei, weil es davon profitiere:
„A Muslim cleric is better received when he speaks to people who are frustrated and have no prospect of sensual pleasure. Then he comes with a purported answer: having sovereignty over oneself. Through the ablutions connected with the five [daily] prayers, he controls the bodies of the believers. He dictates to them how to behave: when you make love to your wife, you need to immerse your entire body; if you do not, your prayer is not valid.
Der Prophet selbst sei da von ganz anderer Natur gewesen und habe aus seiner Vorliebe für Frauen auch keinen Hehl gemacht. Im Gegenteil, er sei stolz auf seinen Appetit auf Frauen gewesen.
“Take the Prophet for example. He had between nine and 11 wives, of which several were concubines. When one takes a concubine, one is not thinking of procreation, but of pleasure… [The Prophet] himself said that what he liked in this world was “women, perfume, and prayer.”
Tatsächlich? Hat Mohammad das gesagt? Sollte das Zitat stimmen, dann wüsste ich mehr als eine Handvoll Gelegenheiten, zu denen ich es gern mal erwähnen würde.
(Ich habe eine flüchtige Suche im Internet unternommen, als einzigen Beleg aber eine Webseite gefunden, die den Islam aus christlicher Sicht untersuchen will. Das ist vielleicht nicht die allerzuverlässigste Quelle. Hinweise?)
Nachtrag: Bei Spiegel Online ist seit gestern eine dreiteilige Geschichte über Sexualität in islamischen Ländern zu lesen.
Besagtes Mohammad Zitat wird dort wie folgt übersetzt:
“In dieser Welt wurden mir die Frauen, die Wohlgerüche und das Gebet lieb.”
“Wurden mir lieb”? - Hmmmm.
Leider auch hier keine Quellenangabe.
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